Stolpersteine Lank-Latum
Stolpersteine Lank-Latum – Erinnerung an unvergessene ehemalige jüdische Mitbürger
Mit der Verlegung von Stolpersteinen wird in Lank-Latum an Menschen erinnert, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, deportiert und vielfach ermordet wurden. Die kleinen Messingplatten im Gehweg tragen Namen und Lebensdaten ehemaliger Bewohner und machen die Geschichte unmittelbar vor den Häusern sichtbar, in denen diese Menschen einst lebten.
Das europaweite Kunst- und Erinnerungsprojekt „Stolpersteine“ wurde vom Künstler Gunter Demnig ins Leben gerufen. Die Steine werden jeweils vor dem letzten frei gewählten Wohnort der Opfer verlegt. Sie sollen Passanten im übertragenen Sinne zum „Stolpern mit dem Kopf und dem Herzen“ bringen und dazu anregen, sich mit den Schicksalen der Menschen auseinanderzusetzen, die einst Teil der örtlichen Gemeinschaft waren.
Auch in Lank-Latum lebten bis in die Zeit des Nationalsozialismus hinein jüdische Familien, die das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben des Ortes mitprägten. Mit der Verlegung der Stolpersteine wird an diese ehemaligen Mitbürger erinnert und ihr Andenken bewahrt.
Die Stolpersteine tragen jeweils eine kurze Inschrift mit dem Namen der Person, ihrem Geburtsjahr sowie – soweit bekannt – Angaben zu Deportation und Tod. Jeder einzelne Stein steht stellvertretend für ein individuelles Lebensschicksal.
Die Verlegung der „Stolpersteine Lank-Latum“ wurde vor Ort durch den Heimatkreis finanziert und durchgeführt. Ziel ist es, die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus im öffentlichen Raum sichtbar zu halten und insbesondere jüngeren Generationen einen Zugang zur Geschichte ihrer Heimat zu ermöglichen.
Mit den Stolpersteinen erhält das Gedenken einen festen Platz im Alltag: Wer durch die Straßen geht, begegnet den Namen ehemaliger Nachbarn und wird daran erinnert, dass die Geschichte der Verfolgung auch hier vor Ort ihren Anfang nahm.
Die Familien hinter den Steinen
Die 25 Stolpersteine in Lank-Latum erinnern an fünf jüdische Familien, die hier lebten, arbeiteten und tief verwurzelt waren – bis das NS-Regime ihr Leben zerstörte. Ihre Schicksale stehen stellvertretend für das Leid unzähliger Menschen, die auch in kleinen Orten wie Lank-Latum Nachbarn, Bekannte und Mitbürger waren.
Familie Joosten – Hauptstraße 7
Die Familie Joosten wohnte in der Hauptstraße 7. Sieben Familienmitglieder flohen 1933 nach Utrecht in den Niederlanden. Während einigen die Rettung gelang – Rolf, Salko und Joost Joosten überlebten versteckt –, wurden Philip und Arend Joosten 1942 deportiert und am 31. März 1944 in Auschwitz ermordet. Mietje Joosten, die Mutter der Familie, und ihr Mann Benjamin überlebten ebenfalls versteckt. Die Geschichte der Familie Joosten zeigt beide Seiten des Schicksals: Rettung und Vernichtung lagen nah beieinander.
Familien Levy und Salomon – Mühlenstraße 6
In der Mühlenstraße 6 lebten die Familien Levy und Salomon. Neun Menschen – Eltern, Kinder, Großeltern – wurden deportiert. Alfred und Klara Levy sowie ihr Sohn Gerd wurden ins Ghetto Riga deportiert. Alfred überlebte nicht, Klara und Gerd wurden ermordet. Die Familie Salomon teilte ein ähnliches Schicksal: Alfred, Fanny, Helmut und Margot Salomon wurden nach Riga deportiert und ermordet. Wilhelmine Salomon, die Großmutter, wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert und noch im selben Jahr ermordet. Gustav Salomon, der bereits 1938 ins KZ Dachau verschleppt worden war, starb 1942. Neun Menschen – neun Stolpersteine, neun Lebensgeschichten.
Familie Wyngaard – Uerdinger Straße 95
Oskar und Antonie Wyngaard lebten in der Uerdinger Straße 95. Oskar wurde 1941 ins Ghetto Riga deportiert, später ins KZ Stutthof und schließlich ins Außenlager Hailfingen-Tailfingen verlegt, wo er am 7. März 1945 – nur wenige Wochen vor Kriegsende – ermordet wurde. Antonie Wyngaard wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert und starb dort am 24. Oktober 1942. Bemerkenswert: Klara Levy aus der Mühlenstraße 6 war geborene Wyngaard – die Familien waren verwandt.
Familie Waldvogel – Hauptstraße 94
Die Geschichte der Familie Waldvogel ist eine der wenigen mit einem hoffnungsvollen Ende. Jacob und Irma Waldvogel flohen 1936 mit ihrer kleinen Tochter Ruth rechtzeitig nach Uruguay. Ruth war damals gerade vier Jahre alt. Die Familie überlebte. Ihre Stolpersteine erinnern daran, dass Flucht und Rettung möglich waren – wenn die Zeit noch reichte.
Familien Leopold, Samson und Rieser – Bismarckstraße 16
In der Bismarckstraße 16 wohnten Moritz und Josefine Leopold. Ihren Töchtern Else und Clara gelang die Flucht – Else 1939 nach England, Clara 1938 nach Argentinien. Die Eltern blieben zurück und wurden 1942 ins Transit-Ghetto Izbica deportiert, wo sie ermordet wurden. Ihr Schicksal zeigt, wie unerbittlich die Zeit drängte: Den Töchtern Else und Clara gelang die Flucht noch rechtzeitig – Moritz und Josefine Leopold blieben zurück und wurden 1942 ermordet.
So finden Sie die Stolpersteine im alten Amt Lank
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